Hofladen-Kassensystem: So bezahlen Kunden im SB-Hofladen ohne Personal
Von CharleneVeröffentlicht am 10 Min. Lesezeit
Eine Registrierkassenpflicht gibt es für Hofläden in Deutschland derzeit nicht (Stand: September 2026). Du darfst mit einer offenen Ladenkasse oder Vertrauenskasse arbeiten, musst die Einnahmen aber täglich sauber aufzeichnen. Sobald du ein elektronisches Kassensystem einsetzt, brauchst du eine zertifizierte TSE. Für eine kleine SB-Hütte reicht meist die Vertrauenskasse plus eine bargeldlose Option, für einen abschließbaren Hofladen mit festem Kundenstamm lohnt sich ein System, bei dem der Kunde vor dem Bezahlen bekannt ist.
Dies ist keine Steuerberatung. Gerade bei der Frage, was als elektronisches Aufzeichnungssystem gilt, solltest du deinen Plan mit deinem Steuerberater durchgehen.
Gibt es eine Registrierkassenpflicht für Hofläden?
Nein, nicht nach aktuellem Recht. Nach § 146 Abs. 1 AO müssen Aufzeichnungen einzeln, vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet sein, und Kasseneinnahmen und -ausgaben sind täglich festzuhalten. Die Einzelaufzeichnungspflicht entfällt aus Zumutbarkeitsgründen beim Verkauf von Waren an eine Vielzahl nicht bekannter Personen gegen Barzahlung. Diese Erleichterung gilt aber nicht, wenn du ein elektronisches Aufzeichnungssystem nach § 146a AO verwendest. Wer also eine elektronische Kasse aufstellt, muss jeden Verkauf einzeln erfassen, braucht eine TSE und hat die Belegausgabepflicht.
Das könnte sich ändern. Das Bundesfinanzministerium hat am 7. August 2026 einen Referentenentwurf veröffentlicht: Ab dem 1. Januar 2028 soll für Betriebe mit mehr als 100.000 € Jahresumsatz ein elektronisches Kassensystem mit TSE Pflicht werden, die offene Ladenkasse soll für diese Betriebe entfallen, und der Papierbeleg soll durch einen elektronischen Beleg per QR-Code oder NFC ersetzt werden (IHK Osnabrück). Beschlossen ist das noch nicht. Wenn dein Hofladen in die Nähe der Grenze kommt, plan eine Neuanschaffung trotzdem schon mit Blick auf 2028.
Die Vertrauenskasse richtig führen
Die Vertrauenskasse ist steuerlich eine offene Ladenkasse. Du ermittelst die Tageseinnahmen rückwärts über einen Kassenbericht:
Kassenendbestand (gezählt) minus Kassenanfangsbestand plus Entnahmen (etwa das Geld, das du zur Bank bringst) minus Einlagen (etwa Wechselgeld, das du nachlegst) plus Ausgaben aus der Kasse ergibt die Tageseinnahme.
Das funktioniert nur, wenn du wirklich zählst. Für eine Vertrauenskasse heißt das: jeden Tag leeren oder zumindest den Bestand zählen, ein Zählprotokoll mit Stückelung führen (so viele 2-€-Münzen, so viele 5-€-Scheine) und den Kassenbericht zeitnah schreiben. Ein Kassenbuch, das jeden Abend 50,00 € glatt ausweist, macht bei einer Betriebsprüfung eher misstrauisch.
Was du nicht aus der Kasse ablesen kannst, ist, was gestohlen wurde. Die Differenz zwischen entnommener Ware und gezähltem Geld ist dein Schwund. Wie du diese Fehlbeträge dokumentierst und buchst, klär mit deinem Steuerberater. Warum Vertrauenskassen so oft Ziel von Diebstahl werden und was dagegen hilft, steht im Artikel über Diebstahl im Hofladen.
Und wenn du einen Automaten hast?
Warenautomaten sind nach § 1 KassenSichV ausdrücklich keine elektronischen Aufzeichnungssysteme. Ein Regiomat oder Eierautomat braucht also keine TSE. Die Geldkassette im Automaten ist trotzdem eine Kasse: Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags verweist auf die BFH-Rechtsprechung von 2017, nach der der Inhalt bei jeder Leerung zu zählen und zu dokumentieren ist (WD-Ausarbeitung, 11.02.2026). Nach derselben Ausarbeitung nutzen 19 % der bayerischen Direktvermarkter Automaten. Ob Automat oder begehbarer Laden besser zu dir passt, vergleicht der Artikel Verkaufsautomat oder 24/7-Hofladen.
Braucht ein App-Checkout eine TSE?
Das ist die offene Frage für jeden begehbaren Laden ohne Personal. Die Ausnahme in § 1 KassenSichV gilt für Automaten. Ein Laden, in dem der Kunde per App die Tür öffnet, Waren auswählt und in der App bezahlt, ist kein Automat im klassischen Sinn. Vieles spricht dafür, dass die Software dann als elektronisches Aufzeichnungssystem gilt und eine TSE braucht, eine eindeutige Aussage der Finanzverwaltung dazu haben wir nicht gefunden. Frag jeden Anbieter, wie er die TSE-Pflicht löst (Cloud-TSE oder Hardware), wer die Meldung ans Finanzamt macht und wie der Beleg zum Kunden kommt. Und lass die Antwort von deinem Steuerberater prüfen.
Die Bezahlmöglichkeiten im Vergleich
Vertrauenskasse
Kostet fast nichts, funktioniert für jeden Kunden mit Bargeld, und du hast keine Gebühren. Dafür hast du täglich Arbeit mit Zählen und Wechselgeld, das Risiko, dass die ganze Kasse verschwindet, und keine Ahnung, wer nicht bezahlt hat.
Überweisung per QR-Code (GiroCode)
Ein Schild mit IBAN liest kaum jemand ab. Ein GiroCode, der standardisierte QR-Code für SEPA-Überweisungen, lässt sich dagegen mit fast jeder Banking-App scannen. Die Kunden müssen den Betrag selbst eintragen, und du gleichst die Eingänge am Kontoauszug ab. Es entstehen in der Regel keine Transaktionsgebühren, aber Kontoführungsgebühren für dein Geschäftskonto je nach Bank. Das Bezahlen bleibt freiwillig.
PayPal im Hofladen
PayPal ist in Deutschland für viele Kunden die bequemste Handy-Zahlung. Ein ausgedruckter PayPal-QR-Code am Regal ist schnell eingerichtet. PayPal wertet Zahlungen per QR-Code ausdrücklich als geschäftliche Transaktion und nennt auf seiner deutschen Gebührenseite für QR-Code-Transaktionen 0,90 % (Stand: September 2026). Prüf dort vor dem Start, ob für deinen Kontotyp eine Festgebühr dazukommt, das ist auf der Seite nicht ganz leicht zu lesen. Wie beim GiroCode trägt der Kunde den Betrag selbst ein.
Kartenzahlung im Hofladen
Mobile Kartenterminals wie das SumUp Solo Lite sind günstig. SumUp verlangt laut Produktseite 1,39 % pro Zahlung ohne Grundgebühr oder 0,79 % mit dem Abo „Zahlungen Plus” (ab 17 € im Monat, Stand: September 2026). Das Gerät selbst gibt es oft im Angebot für einen niedrigen zweistelligen Betrag.
Nur sind diese Geräte für einen Händler gebaut, der den Betrag eintippt und dem Kunden das Terminal hinhält. Im SB-Hofladen tippt der Kunde selbst, das Gerät muss geladen und online sein, und es liegt ein mobiles Gerät unbewacht im Regal. Zahlungsanbieter unterscheiden ausdrücklich zwischen bedienten und unbedienten Umgebungen, Stripe etwa schreibt, dass seine Standard-Lesegeräte für bediente und teilbediente Umgebungen gedacht sind (Stripe Support). Frag deinen Anbieter vorher, ob der unbediente Einsatz erlaubt ist. Für echte SB-Lösungen gibt es fest verbaute Unattended-Terminals, wie sie in Automaten stecken. Die sind deutlich teurer und kommen meist über den Automatenlieferanten.
SB-Kasse im Hofladen
Eine SB-Kasse (Self-Checkout) besteht aus Bildschirm, Scanner, Kartenterminal und Kassensoftware mit TSE. Sie liefert dir eine saubere Einzelaufzeichnung und erfüllt damit auch einen künftigen Kassenzwang. Die Kosten liegen deutlich über den anderen Varianten, meist Hardware im vierstelligen Bereich plus monatliche Software- und TSE-Gebühren, genaue Preise gibt es fast nur auf Anfrage. Diebstahl verhindert eine SB-Kasse allein nicht: Wer nicht scannt, zahlt nicht.
Bezahlen in der App des Ladens
Der Kunde registriert sich in einer App, öffnet damit die Tür, wählt oder scannt die Waren und bezahlt vor dem Gehen. Anders als bei allen anderen Varianten weißt du, wer im Laden war, und das senkt den Anreiz, nicht zu zahlen, deutlich. Die großen Smart-Store-Ketten wie Tante Enso oder Tante M arbeiten mit Zugang per Karte oder App, und bundesweit gibt es inzwischen rund 1.000 Smart Stores (Lebensmittel Praxis). (Genau diesen Weg gehen wir mit Hylle: eine eigene App pro Laden, mit Türöffnung und Bezahlung auf dem Handy, ohne Kasse und ohne Kartenterminal.)
Nachteile: Laufkundschaft installiert ungern eine App für ein Glas Honig, und du zahlst Software plus Zahlungsgebühren. Und die TSE-Frage aus dem Abschnitt oben musst du für jeden Anbieter klären.
Vergleichstabelle
Richtwerte, Stand: September 2026. Gebühren laut Anbieterseiten, Anschaffungskosten grob geschätzt.
| Variante | Anschaffung | Gebühr pro Zahlung | Aufwand für dich | Diebstahlrisiko | Hürde für Kunden |
|---|---|---|---|---|---|
| Vertrauenskasse | Kasse und Schloss, unter 100 € | keine | hoch: Zählen, Kassenbericht, Wechselgeld | hoch | gering, wenn Bargeld dabei |
| GiroCode-Überweisung | keine | meist keine | mittel: Abgleich mit Kontoauszug | mittel, Zahlung freiwillig | mittel, Betrag selbst eintragen |
| PayPal-QR | keine | 0,90 % laut PayPal | mittel | mittel, Zahlung freiwillig | gering für PayPal-Nutzer |
| Mobiles Kartenterminal | zwei- bis dreistelliger Betrag | SumUp: 1,39 % oder 0,79 % mit Abo | mittel: Laden, Netz, Aufsicht | mittel bis hoch, Gerät kann weg | mittel, Betrag selbst eintippen |
| SB-Kasse mit TSE | vierstellig (Angebot einholen) | Terminalgebühr plus Software-Abo | gering, außer Wartung | mittel | gering |
| App mit Zugang | Software-Abo, keine Kasse | Gebühren des Zahlungsdienstleisters | gering | gering, Kunde ist bekannt | gering für Stammkunden, hoch für Laufkundschaft |
Was die Gebühren bei einer Eierhütte ausmachen
Angenommen, eine SB-Hütte verkauft im Monat 120-mal für durchschnittlich 5 €, zusammen 600 €. Die Zahlen sind ein ausgedachtes Beispiel.
Mit SumUp ohne Abo zahlst du 1,39 % von 600 €, also 8,34 € im Monat. Mit PayPal-QR bei 0,90 % wären es 5,40 €, zuzüglich einer eventuellen Festgebühr. Mit einer Vertrauenskasse zahlst du nichts an Gebühren, aber wenn nur jeder zwanzigste Kunde nicht zahlt, fehlen dir 30 € im Monat. Bei kleinen Beträgen ist der Schwund fast immer teurer als die Gebühr.
Wero kommt, aber noch nicht an die Ladenkasse
Wero, das Bezahlsystem der European Payments Initiative, funktioniert in Deutschland schon für Zahlungen zwischen Privatpersonen, direkt in den Banking-Apps vieler Banken. Seit 2026 wird Wero im Onlinehandel ausgerollt, Lidl und Decathlon haben es Ende Juli 2026 in ihre Onlineshops eingebunden. Die Einführung an der Ladenkasse ist für 2026 und 2027 geplant (EuroShop Mag, 25.08.2026). Für deinen Hofladen ist das heute noch keine Option, könnte aber mittelfristig eine günstige Alternative zu PayPal werden.
Österreich: dort gilt die Registrierkassenpflicht
Wenn dein Hofladen in Österreich steht, gelten andere Regeln. Nach § 131b BAO brauchst du eine Registrierkasse ab einem Jahresumsatz von 15.000 € je Betrieb, sofern die Barumsätze 7.500 € im Jahr übersteigen. Achtung: Als Barumsatz zählen dort auch Karten- und andere elektronische Zahlungen. Für bestimmte Fälle, etwa Automaten, gibt es Erleichterungen, die dein Steuerberater für deinen Betrieb prüfen sollte.
Was passt zu welchem Hofladen?
Für die SB-Hütte am Feldrand mit ein paar Produkten und wenigen hundert Euro Umsatz im Monat: Vertrauenskasse plus PayPal- oder GiroCode-QR. Mehr lohnt sich ehrlich gesagt nicht. Kleb den QR-Code so an, dass niemand einfach einen eigenen darüber kleben kann, und kontrollier ihn regelmäßig.
Für einen Stand mit wiederkehrendem Diebstahl: ein Automat mit Fächern, die erst nach Bezahlung aufgehen. Ohne TSE, aber mit Zählpflicht bei jeder Leerung.
Für einen abschließbaren Hofladen mit Stammkunden aus dem Ort: ein System mit registriertem Zugang, per App oder per SB-Kasse mit Zutrittskontrolle. Wenn du absehbar über 100.000 € Umsatz kommst, achte schon jetzt darauf, dass die Lösung eine TSE hat, falls der Kassengesetz-Entwurf so kommt.
Für einen Laden mit viel Ausflugsverkehr: zusätzlich zur App einen zweiten Weg anbieten, Bargeld oder Karte, damit auch der Radfahrer ohne Smartphone-Akku etwas kaufen kann.
Wer noch ganz am Anfang steht, findet die übrigen Entscheidungen, vom Ladenöffnungsrecht bis zur Türtechnik, in unserem Leitfaden zum Laden ohne Personal. Und bei jeder Variante gilt: Zähl in den ersten drei Monaten jede Woche deinen Bestand und vergleich ihn mit den Einnahmen, damit du siehst, was dein System einschließlich Schwund kostet.